Tobias O. Meißner: Die Soldaten

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Ich bekam dieses Buch sozusagen aufgedrängt und war nach den ersten Kapiteln schon kurz davor, es wieder wegzulegen. Aber ich blieb dran – vermutlich hatte mich, ohne dass es mir so recht bewusst war, bereits sein ganz eigentümlicher Reiz gefangengenommen. Es sind ein Reiz, eine Faszination, die sich allmählich verstärken und einen bis zum Ende des Buches immer mehr packen.

Die Geschichte an sich ist denkbar schlicht. In einer Fantasy-Welt wird ein angeschlagener Offizier in eine entlegene Grenzfestung versetzt, um dort aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen Rekruten eine neue Kompanie aufzubauen. Die neue Kompanie ist dringend notwendig, um die Verluste auszugleichen, die ein zurückliegender Feldzug verursacht hat – ein Feldzug, von dem man zuerst nur andeutungsweise erfährt und dessen Geschichte sich zu einem immer größeren finsteren Unheil konkretisiert, das weiterhin als drückende und immer beunruhigend vage Drohung über der Grenzfestung und dem Reich liegt.

Die ersten Kapitel des Buches sind von der Düsternis und Wirrnis, in die sich alles steigert, noch weit entfernt. Es geht gemächlich los. Kasernenalltag. Mit penibler, beinahe bürokratischer Detailliertheit wird beschrieben, wie der Held des Romans, der Offizier Fenna, seine Rekruten prüft, ihre Charaktere und Fähigkeiten ermittelt, wie er aussortiert, Rollen vergibt, ausbildet.
Ein seltsamer Abschnitt, der mir so in einem Buch, noch dazu einem Fantasy-Roman, noch nie begegnet ist. Er lässt uns Leser vertraut werden mit den Soldaten, die wir fortan begleiten. Und er bildet die scheinbar ruhige Ausgangslage, vor der das vorhin schon erwähnte düstere Geheimnis, die über allem liegende Bedrohung verstärkt werden und nach welcher alles, was folgt, enorm an Dramatik und Wucht gewinnt.
(Mich als ehemaligen Tabletop- und Rollenspieler hat das akribische Beschreiben der Ausbildung aber auch für sich selbst genommen schon erfreut.)

Ich will das, was dann kommt, nicht weiter beschreiben. Es könnte dem ersten Lesegenuss zuviel von seiner Intensität nehmen, die gerade von der bis zuletzt anhaltenden Ungewissheit lebt.

Mich selbst haben die Entwicklungen im Buch ganz unerwartet getroffen und umgerissen. Ich habe das Buch regelrecht aufgefressen (und später noch ein zweites Mal gelesen). Am Ende glaubte ich fast, den Staub auf der Zunge, die sengende Hitze auf der Haut spüren zu können – das und die drückende Hoffnungs- und Sinnlosigkeit, die über allem liegt.

Ich habe erst später gesehen, dass »Die Soldaten« Teil einer Romanreihe ist. Das spielt aber für dieses Buch keine Rolle. Es werden an keiner Stelle irgendwelche Vorkenntnisse vorausgesetzt, die Geschichte kann ohne Verlust für sich allein stehen. (Ich würde behaupten, dass diese Geschichte sogar gewinnt, wenn sie einfach so für sich stehenbleibt.)

Ein ungewöhnliches, packendes Fantasy-Leseerlebnis!

Schlagwörter:

Fantasy, Romane

  • Autor(en): Tobias O. Meißner
  • Verlag: Piper
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2011
  • ISBN: 978-3492701853
  • Wertung von Andreas: 4/5

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