Niall Ferguson: Empire: How Britain Made the Modern World

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Wir haben hier bei Svipp schon andernorts angelsächsische Sachbücher für ihre Zugänglichkeit gelobt: sprachliche Brillanz, die sich nicht in hölzernen Schachtelsätzen ausdrückt, sondern in eleganter Erzählkunst, bei der Geist immer Humor einschließt. Ferguson ist auch einer dieser angelsächsischen Autoren und beleuchtet in »Empire« zwei Fragen: Wie konnte zum einen eine anfangs eher unbedeutende Insel im Nordatlantik binnen 200 Jahren das größte Weltreich der Geschichte aufbauen und halten? Und war dieses Weltreich zum anderen in der Bilanz eher etwas Gutes oder etwas Schlechtes?

Es liegt auf der Hand, dass die erste Frage leichter und eindeutiger zu beantworten ist als die zweite, und Ferguson macht sich und den Lesern auch gar nichts anderes vor. Sein Fazit will ich hier nicht vorwegnehmen. In seiner Analyse spannt Ferguson einen weiten erzählerischen Bogen von den englischen Piraten des 16. und 17. Jahrhunderts über die Handelsgesellschaften und die ersten Kolonisten bis hin zum Höhepunkt der britischen Macht und dem relativ kurz darauf folgenden Zerfall. Er nimmt alle Aspekte in Augenschein – Schiffbautechnik, Waffen, Finanzpolitik, Forschung, Religion, Handel, gar Sport, aber auch Zufälligkeiten und sogar die Rolle von Zucker, Tabak und Tee als »uppers« (im Gegensatz zum »downer« Alkohol).

Ferguson vermeidet, auch bei seinen Betrachtungen in Bezug auf die zweite Frage, sowohl ein patriotisches Schönfärben des Empires als auch ein wohlfeiles Verdammen in Bausch und Bogen – und hat so ein aufschlussreiches Buch voller Esprit geschaffen, das ich selbst schon zum zweiten Mal mit Genuss gelesen habe.

  • Autor(en): Niall Ferguson
  • Verlag: Penguin
  • Sprache: Englisch
  • Jahr: 2009
  • ISBN: 978-0141007540
  • Wertung von Andreas: 5/5

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