Yann, Olivier Schwartz: Spirou & Fantasio Spezial – Der Meister der Schwarzen Hostien

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Den Zeichenstil Franquins fand und finde ich zwar super, aber über das Ausleihen einiger Bände aus der Stadtbibliothek als Junge ging mein Interesse an Spirou & Fantasio nie hinaus, die Geschichten und ihre Protagonisten waren einfach nicht so mein Ding. Vor ein paar Jahren wurde ich dann auf die Spezial-Ausgaben der Reihe aufmerksam, genauer gesagt auf Porträt eines Helden als junger Tor. Darin wurden die Vorgeschichte und das Kennenlernen der beiden Helden im Brüssel der Vorkriegszeit erzählt, zwar zeichnerisch im Stil frankobelgischer funnies, aber eben als ganz ernste Geschichte, von einem Zeichner, dem man dabei weitgehend freie Hand ließ.

Emile Bravo und anschließend das Duo Yann und Olivier Schwartz haben inzwischen eine kleine Serie in der Serie geschaffen. Eine Art Spirou-Parallelwelt, angefangen mit Bravos Jungem Tor, unmittelbar vor Beginn des 2. Weltkriegs spielend, anschließend Abenteuer während der deutschen Besatzung Brüssels (Operation Fledermaus) sowie in der Nachkriegs- und späten Kolonialzeit.

Der Meister der schwarzen Hostien heißt nun der bislang letzte Band, der direkt an den Vorgänger Die Leopardenfrau anschließt. Wir reisen darin in den Kongo, der 1947 zwar noch unter Kontrolle der Belgier steht, in dem es aber bereits gärt. Im Kongo hatte sich ja ein paar Jahrzehnte zuvor schon einmal ein berühmter belgischer Comicreporter (mit seinem Hund) aufgehalten. Das Bild, das Yann und Schwartz zeigen, ist natürlich ein anderes als das in Hergés später bereuter Jugendsünde, in der er die Einheimischen durchweg rassistisch als radebrechende Kindsköpfe darstellte (ob nur in der deutschen Übersetzung von Der Meister … der Begriff »Eingeborenenviertel« erklärend verwendet wird, vermag ich nicht zu sagen, er erscheint mir heutzutage jedenfalls äußerst deplatziert).

Im Kongo gemeinsam mit ihrer Begleitung aus der Leopardenfrau angekommen, bekommen es Spirou und Fantasio mit einem als Karikatur des Diktators Mobutu angelegten Irren mit Leopardenhütchen zu tun, der gemeinsam mit aus Deutschland geflohenen Nazi-Wisenschaftlern … naja, mehr möchte ich nicht verraten.

Wie hat mir der Band nun gefallen?

Die Zeichnungen im klassischen belgischen Stil der ligne claire und die Nebenfiguren sind sehr gelungen (es würde mich wunder nehmen, wenn der pragmatische Missionar Pater Lebouc aus »der schönen Stadt Lüttich« nicht seinen Glaubensbruder aus Tim im Kongo kennen würde). Es gefallen mir auch die zahlreichen Anspielungen auf Belgien und Hergé, die toll dargestellte modernistische Architektur, das Treiben in Léopoldville und der Umstand, dass man hier als Deutscher nebenbei noch über kongolesisch-belgische Spezifika lernt. Oder wussten Sie, wer Pilipili & Matamata waren, die »kongolesischen Laurel & Hardy«?

Allein ist mir die Geschichte im Vergleich zu den Vorgängeralben diesmal zu sehr over the top. Außerdem bleiben die beiden Hauptfiguren weitgehend uninteressant, ganz im Gegensatz zu der ungewöhnlichen Tiefe, die vor allem Spirou in den Vorgängeralben erhielt. Glücklicherweise bekommen Yann und Schwartz am Ende aber noch die Kurve, wenn sich mit einem unerwarteten Wiedersehen ein Kreis schließt.

Mein Fazit: Der Meister der Schwarzen Hostien ist schon ganz gut gelungen und macht Spaß, bleibt aber leider ohne den Charme der vorherigen Geschichten.

  • Autor(en): Yann, Olivier Schwartz
  • Zeichner: Olivier Schwartz
  • Originaltitel: Le Maître des Hosties Noires
  • Verlag: Carlsen
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2017
  • ISBN: 978-3551776228
  • Wertung von Dirk: 3/5

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