Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau

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Wir befinden uns Anno 32 Post Pestilenziam, nach unserer Zeitrechnung im Jahr 2013: nach einer Seuche ist Europa und wahrscheinlich auch der Rest der Welt fast völlig entvölkert. Nur im bayerischen Passau gibt es noch Strom, Fahrzeuge und das »wahrscheinlich einzige funktionierende Sekretariat zwischen Nordkap und dem Mittelmeer«. Mit den Resten der untergegangenen Zivilisation versucht dort der autoritäre »Scheff« mit seinen Leuten, ein paar hundert Menschen vielleicht, das Leben von einst aufrechtzuerhalten, was aufgrund der nicht mehr möglichen Neuproduktion immer aussichtsloser wird. In diese Welt kommt eine Delegation der ganz anders, nämlich halbnomadisch lebenden »Rosmer« zu Besuch – die nicht ist, was sie zu sein scheint.

Als eine »Fingerübung« bezeichnet Carl Amery seinen kleinen Endzeitroman im Vorwort, und dass er außerdem einen Genreklassiker, nämlich Lobgesang für Leibowitz von Walter Miller, ganz frei als Maßstab angibt, finde ich bei einem Schriftsteller schon mal sehr sympathisch-unprätentiös.

Dabei sollte man das Buch nicht unterschätzen. Amery schafft es mit gerade einmal 160 Seiten, eine überzeugende postapokalyptische Welt zu entwerfen, die trotz dieser Kürze auch noch ganze drei Zeit- und Handlungsebenen enthält (diese sind auch typographisch unterschiedlich). Dass er seinen Roman in Deutschland ansiedelt, das ja nicht gerade oft als Schauplatz von Genreliteratur im Allgemeinen und Science-Fiction im Speziellen dient, ist auch sehr erfreulich. Mit seiner süddeutsch-dialektgesättigten Sprache enthält Der Untergang der Stadt Passau gar Elemente eines Heimatromans. Als hätte man eine Geschichte von Ludwig Thoma mit den »Saviours« aus The Walking Dead gekreuzt. Der »Negan«, so viel sei verraten, kommt hier aus dem Ruhrgebiet.

Klare Empfehlung!

  • Autor(en): Carl Amery
  • Verlag: SüdOst-Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 1975
  • ISBN: 978-3896820860
  • Wertung von Dirk: 4/5

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