H.P. Lovecraft, I.N.J. Culbard: At The Mountains Of Madness

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Seltsam kommt es mir vor, dass die (amerikanische) Film- und Serienindustrie bis dato noch nichts von Howard Phillips Lovecraft inszeniert hat, nimmt man einmal von ihm Inspiriertes wie etwa das »Necronomicon« aus Evil Dead aus. Man möchte doch meinen, dass die Erzählungen des neuenglischen Eigenbrötlers genug Interessantes bieten, um auch ein zeitgenössisches, dem Horrorgenre zugeneigtes Publikum anzusprechen – vielleicht behutsam modernisiert, um heutzutage allzu Vorhersagbares in Lovecrafts Geschichten zu vermeiden.

Im Bereich der Graphic Novels dagegen herrscht kein Mangel an Adaptionen. Der britische Zeichner I.J.N. Culbard hat sich der Mountains of Madness angenommen, einer der bekanntesten und besten Erzählungen Lovecrafts, die auch bald neunzig Jahre nach ihrer Entstehung noch ihre Schockmomente aufweist.

Eine Expedition ist 1930 mit zwei Schiffen in die Antarktis gereist, an Bord Wissenschaftler und Studenten der Miskatonic-Universität. Ein Teil der Expedition unter Professor Lake entdeckt bei einer Bohrung zunächst Millionen Jahre alte Fragmente unnatürlichen Ursprungs im antarktischen Boden, anschließend auch seit Ewigkeiten tiefgefrorene Wesen. Als der Kontakt zu ihrem Lager abbricht, machen sich Professor Dyer und andere Teilnehmer der Expedition zu ihrer Rettung auf, finden jedoch nur noch Leichen vor. Dyer und ein Student namens Danforth beschließen, ein von Lake zuvor beschriebenes riesiges Gebirge zu überfliegen und gelangen schließlich zu den Ruinen einer uralten, nichtmenschlichen Stadt.

At The Mountains Of Madness enthält viele der bekannten Zutaten aus Lovecrafts Mythologie: die Alten Wesen, Cthulhu, die Universität von Arkham und es fehlen auch das Necronomicon und sein Autor, der »verrückte Araber Abdul Al Hazred« nicht. Culbard erzählt die Novelle werkgetreu nach, in dieser Hinsicht gibt es keinen Grund zur Klage. Allerdings fand ich Culbards Zeichnungen hier und dort etwas zu plump, sie wirkten auf mich lieblos und zu routiniert. Vor allem bei den Gesichtern seiner Figuren fiel mir das auf. Und: seitenfüllende Hintergrundverläufe mag ich in Comics nicht, die sehen mir zu sehr nach Computer aus.

Dann wiederum gelingen Culbard tolle Szenen und Bilder, seine Darstellung der prähistorischen, unter dem Eis liegenden Bauten und Reliefs der Alten Wesen und auch der Kreaturen selbst, neben den Alten die ebenso bizarren Schoggothen und Mi-go. Überhaupt gefällt mir das ganze letzte Drittel des Bandes sehr gut. Mein Urteil: At the Mountains of Madness ist eine wirklich grundsolide Horror-Graphic-Novel – und das möchte ich ausdrücklich als Lob verstanden wissen.

  • Autor(en): H.P. Lovecraft, I.N.J. Culbard
  • Zeichner: I.N.J. Culbard
  • Verlag: Self Made Hero
  • Sprache: Englisch
  • Jahr: 2010
  • ISBN: 978-1906838126
  • Wertung von Dirk: 3/5

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