Tonke Dragt: Das Geheimnis des siebten Weges

am

Der junge Lehrer Franz van der Steg erzählt seinen Schülern am Ende des Tages gerne selbst ausgedachte Abenteuergeschichten, damit sie beim Aufräumen nicht so viel Krach machen. Aber auch, man merkt es bald, weil er als furchtloser Recke Franz der Rote etwas Aufregenderes sein kann als ein Dorflehrer, der bei einer, zugegebenermaßen sehr gemütlichen, Zimmerwirtin eine Bude bewohnt und in der nahen Kleinstadt Fortbildungskurse besucht. Eines Tages ist er zu müde, eine Geschichte zu erfinden, speist die Schüler mit der Ankündigung eines fiktiven, geheimnisvollen Briefes ab, der dann allerdings zu seiner großen Überraschung tatsächlich kommt. Und ein echtes Abenteuer für den gar nicht so heldenhaften, aber umso sympathischeren Lehrer beginnt.

Mittelpunkt der Geschichte ist eine mysteriöse Kreuzung in einer Waldlichtung, von der sechs Wege abgehen. Wo ist eigentlich der siebte? Und natürlich gibt es auch ein verwunschenes Schloss, das Treppenhaus, in dem ein Junge von seinem griesgrämigen Onkel isoliert aufwachsen muss, denn nur der Junge kann laut einer Prophezeiung den verborgenen Schatz finden, auf den der Onkel scharf ist. Mithilfe seiner Schüler und einer Reihe von kuriosen Bekanntschaften, wie Möchtegern-Mofa-Proll, selbsternanntem Magier und zartem Kräuterfräulein, bricht der widerstrebende Held Franz van der Steg auf, den Jungen zu befreien, den Schatz zu finden.

Das Geheimnis des siebten Weges spielt in einer Zeit, die gerade erst vergangen zu sein scheint, aber vielleicht für heutige Kinder und Jugendliche fast so weit weg sein mag, wie das barocke Frankreich der drei Musketiere. Die zweite Post kommt am Abend, das Telefon steht in der Diele, ein Jugendlicher raucht ungeniert, vor dem Kino dampft die Frittenbude. Ein Hauch von ewigem Sommer umweht diesen Rezensenten. Aber bitte nicht zu nostalgisch werden. Tonke Dragt, die niederländische Schriftstellerin, die sonst ihre Bücher meist in einer mittelalterlich anmutenden Phantasiewelt ansiedelte, hat hier ihr zeitgenössisches Holland beschrieben, doch regt dies ebenso die Imagination an, ist genauso zauberhaft.

In den Niederlanden erschien das Buch 1966, die deutsche Übersetzung ist von 1984, etwas später gab es auch einen mehrteiligen Fernsehfilm. Zu empfehlen ist der Roman allemal für alte Säcke wie mich, die noch einmal in ihre Kindheit eintauchen möchten, aber noch mehr für lange Vorleseabende im Winter oder Sommer, oder für wagemutige Leseratten, die Pfade abseits von Drachenreitern und Tintenherzen wandeln wollen.

Schlagwörter:

Kinderbücher, Niederlande, Romane

  • Autor(en): Tonke Dragt
  • Originaltitel: De Zevensprong
  • Verlag: Gulliver/Beltz
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2016 (19. Auflage)
  • ISBN: 978-3407780638
  • Wertung von Patrick: 5/5

Weitere Bücher bei Svipp