Einhard: Vita Karoli Magni

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Der um 770 im ostfränkischen Maingau (mehr oder weniger das heutige Hessen) geborene Einhard war Geistlicher, Gelehrter und Ratgeber am Hofe Karls des Großen, dessen Biograph er schließlich auch wurde. Die Vita Karoli Magni schrieb Einhard, im Gegensatz zum Herrscher ein Mann von kleiner Gestalt (oder wie es Einhards Zeitgenosse Wahlafrid Strabo wenig freundlich ausdrückte, ein »unansehliches Männlein«), in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, wahrscheinlich zwischen 817 und 833. Die Biographie war sozusagen ein frühmittelalterlicher Bestseller, es soll 123 Abschriften gegeben haben.

Während heutzutage Menschen wie, sagen wir, der ehemalige Ballfänger O. Rolf Kahn oder die Krasnojarsker Goldamsel H. Fischer Seiten um Seiten mit Betrachtungen ihres banalen Schaffens füllen oder füllen lassen, fasste sich Einhard bei seinem Gegenstand angenehm kurz. Ein paar Dutzend Seiten beschreiben das Leben eines der wichtigsten Herrscher der europäischen Geschichte. Mit meiner eher kurzen Aufmerksamkeitsspanne nenne ich das: vorbildlich!

Und wie war nun Karl der Große? Einhard weiß natürlich fast nur Gutes zu berichten. Abgesehen von Karls Gewalttaten, die er gleichsam Sachsen wie Mohammedanern angedeihen ließ, schien der Franke ein durchaus netter Mensch gewesen zu sein, mit besseren Manieren als so manche heutige Zeitgenossen. Zunächst erfahren wir bei Einhard von der Herkunft Karls, dann stellt der Biograph die militärischen Erfolge des Kaisers vor. Danach geht es dann um Karls Persönlichkeit, seine erfolgreiche »Bildungspolitik« im Frankenreich und auch seine eigene Bildung. Schreiben konnte Kaiser Karl zwar nicht, dennoch verdanken wir ihm bekanntlich mit der karolingischen Minuskel nicht weniger als die Kleinbuchstaben.

Die vorliegende Elektroausgabe der Vita enthält neben Einhards Text eine Biographie in der Biographie, nämlich einen 1850 entstandenen Text des Historikers Otto Abel, der aus Einhards nicht weniger interessantem Leben erzählt. So entstanden ihm etwa bei seinem Eintritt in die Geistlichkeit (er wurde Abt) keine großen Änderungen in der Lebensführung, Einhard blieb weiter verheiratet. Den Tod seiner Frau Imma im Jahr 836, vier Jahre, bevor er selbst starb, beklagte Einhard übrigens in einem Brief an seinen »Freund und Schüler« Lupus so:

Alle Sorgen und aller Eifer für meine und meiner Freunde Angelegenheiten hat der bittere Schmerz erstickt, den ich über den Tod derjenigen empfinde, die mir einst die treueste Gattin, dann die teuerste Schwester und Gefährtin war.

Ein Beispiel wie gut sich Einhard auch 1200 Jahre später noch lesen lässt. Die Lektüre der Vita Karoli Magni mir viel Freude gemacht.

Schlagwörter:

Biografie, Mittelalter

  • Autor(en): Einhard
  • Originaltitel: Vita Karoli Magni
  • Verlag: Severus
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2015
  • ISBN: 9-783-95801-940-9
  • Wertung von Dirk: 4/5

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