Otto Julius Bierbaum: Die Yankeedoodle-Fahrt

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Der Name Otto Julius Bierbaum wird Ihnen nicht geläufig sein. Bierbaum hat keinen Platz im übervollen Regal des klassischen deutschen Literaturkanons gefunden. Dazu war sein Werk vermutlich nicht umfangreich genug, und vor allem trieb er sich als Humorist in Gefilden herum, auf die der deutsche Kulturbetrieb seit jeher eher mit Unbehagen und Herablassung blickt. Ernst und schwer muss es sein, um zum teutschen Klassiker erkoren zu werden. Genau über diesen Hang zu Getragenheit, Pathos und Sentimentalität macht sich Bierbaum in schöner Regelmäßigkeit und mit spitzbübischer Respektlosigkeit lustig.

Die Höhe seines Ehrgeizes wird nur von der seiner Stehkragen erreicht.

Bierbaum war aber nicht nur lustig trällernde Spottdrossel. Er war Dichter, Herausgeber, Philosoph, Liebhaber der Antike. Vor allem aber konnte er mit Schwung und Leichtigkeit erzählen. Im Untertitel seiner Biografie beschreibt Karl Füssl ihn als »Meister des Fabulierens«. Das trifft den Nagel auf den Kopf.

Dieser Fabulierkunst kommt die literarische Form des Reiseberichts ganz besonders entgegen, und daher möchte ich Ihnen die »Yankeedoodle-Fahrt« ans Herz legen. Bierbaum beschreibt in diesem Buch eine gemeinsam mit seiner Frau unternommene Kreuzfahrt durch das Mittelmeer zu den biblischen Stätten der Levante und schwingt sich dabei im allerschönsten Plauderton in die höchsten Höhen der Reiseliteratur auf. Er mischt mit der beiläufigen Finesse des vollendeten raconteurs treffende Personenstudien, stimmungsvolle Schilderungen, freche Lästereien und Tiefsinniges, ohne dabei auch nur einen Satzlang flach oder ermüdend zu werden.

Im wirklichen Bethlehem mögen sich immer mehr Theologen ansiedeln; das wahre Bethlehem liegt, ein holdes Märchen, im Herzen der Kinder und Poeten.

Ich habe mit großem Genuss auch die Reiseberichte von Mark Twain gelesen. Auch Twain hatte als junger Mann per Kreuzfahrt das Mittelmeer bereist und darüber das wunderbare Buch »The Innocents Abroad« geschrieben. Die Reiseberichte von Twain und Bierbaum trennen ein paar Jahrzehnte, doch in ihrem Geist und ihrem Witz sind sie Zwillinge. Gern male ich mir aus, wie es wohl gewesen wäre, wenn die beiden Humoristen sich einmal begegnet wären (etwa so). Und natürlich, dass ich durch die Magie einer Raum-Zeit-Falte ebenfalls zur Stelle gewesen wäre. Ich hätte es mir mit einer Tasse Kaffee und ein bisschen Gebäck im Deckstuhl bequem gemacht und den den beiden gelauscht, einfach nur gelauscht und still genossen.

Wenn Sie etwas für Reiseschilderungen, beschwingte Gedankenflüge und formvollendet vorgetragenen Respektlosigkeiten übrig haben, dann werden Sie »Die Yankeedoodle-Fahrt« mögen. Ach, und wenn Sie schöne Bücher schätzen, dann schauen Sie doch am besten auch, ob Sie ein Exemplar der Originalausgabe erwischen können. Das Foto hier zeigt meines, es enthält noch einige weitere kürzere Reiseberichte von Bierbaum.

Schlagwörter:

Humor & Satire, Klassiker, Meer, Reise

  • Autor(en): Otto Julius Bierbaum
  • Verlag: tredition (Nachdruck)
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2011 (Nachdruck)
  • ISBN: 978-3842419155
  • Wertung von Andreas: 5/5

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