Thomas Rabenstein: Die Quaoar-Expedition (Nebular, Bd. 2)

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Ich habe von dieser von keinem großen Verlag gestützten Comic-Reihe mitbekommen, weil der Zeichner Ralf Zeigermann regelmäßig in seinem Blog darüber berichtet. Ich kenne Ralf über Svipp-Compagnon Dirk und habe ihn schon einige Male als Illustrator für eigene Projekte engagiert. Ein beeindruckend vielseitiger, versierter und schneller Grafiker und Zeichner!

Das ist nicht immer ein Garant für gelungene Comics. Allzu oft sind mir schon Comics untergekommen, die technisch aufwendig und durchaus professionell gemacht waren, denen aber Entscheidendes fehlte (siehe etwa meine Kritiken zu »Ricardo Castillo« und »Providence«). Bei Ralf Zeigermann aber ist die Nebular-Saga in guten Händen! Sehr interessant ist übrigens der Anhang des ersten Bandes mit Skizzen und verworfenen Zeichnungen, die den langen Prozess von ersten Entwürfen bis hin zur endgültigen Bildsprache veranschaulichen.

Wenn ich etwas an den detaillierten und zum Teil wirklich beeindruckenden Zeichnungen zu nörgeln habe, dann vielleicht, dass mir die Gesichter ein wenig zu glatt und leblos geraten scheinen. Dafür allerdings wartet Ralf Zeigermann mit vielen versteckten Gags auf, die mir selbst erst beim zweiten Lesen aufgefallen sind – etwa der Bildschirm im Hintergrund, der eine schön grobpixelige Szene aus einem Computerspielklassiker zeigt statt Diagramme und Graphen. Es lohnt sich, die Bilder nach solchen Details abzusuchen!

Für die eigentliche Erzählung zeichnet Thomas Rabenstein verantwortlich, der Schöpfer der als Vorlage dienenden Romanreihe.

Wir sehen uns ins Jahr 2113 versetzt, in eine Raumbasis auf einem Neptunmond. Die Menschheit hat sich längst zur Solaren Union zusammengetan. Und nachdem sie schon zahlreiche Siedlungen innerhalb unseres Sonnensystems gegründet hat, ist das neue Ziel nun der Sprung ins weite All hinein. Und die Suche nach anderen Zivilisationen irgendwo da draußen. Die Nebular-Saga beginnt mit dem Moment, in dem alles auf den lang ersehnten ersten Kontakt hindeutet …

Das ist wunderbar klassische Science-Fiction. Wer die Welten von Perry Rhodan oder Mark Brandis mag, wird sich sofort angesprochen fühlen. Freunde postapokalyptischer Zukunftsvisionen oder von Cyberpunk werden vermutlich eher enttäuscht.

Wer, wie ich, die Romanreihe nicht kennt, muss allerdings ein wenig Geduld mitbringen. Auch nach zwei Bänden hat man das Gefühl, dass die ganze Geschichte sich noch aufbaut, die Handlung sich noch entfaltet. Das ist hier und da sicherlich einer etwas sehr bedächtigen Erzählweise geschuldet, aber ich vermute, dass sich die Geschichte nicht viel stärker raffen lassen wird, ohne wiederum zuviel an Substanz zu verlieren.

Das Problem dürfte also eher darin liegen, dass die Comic-Adaption an nur zwei Personen hängt, dem Autoren und dem Zeichner. Und dass diese beiden auch nicht von einem großen Verlag unterstützt werden, sondern »nebenher« noch Geld verdienen müssen. Die Comic-Bände können also nicht Schlag auf Schlag hinausgefeuert werden, sondern brauchen Zeit, vor allem natürlich für die zeichnerische Arbeit.

Ob die Geschichte noch Fahrt aufnimmt, wird sich also erst nach Band 3 oder 4 sagen lassen. (Wer die Spannung nicht erträgt, kann ja in die Romanreihe hineinschmulen.)

Für den Augenblick würde ich die beiden ersten Bände jenen ans Herz legen, die klassische Science-Fiction mögen und die ein Herz für Comics und für unabhängige Publikationen haben. Und Geduld mitbringen.

  • Autor(en): Thomas Rabenstein
  • Zeichner: Ralf Zeigermann
  • Sprache: Deutsch
  • Jahr: 2017
  • ISBN: 978-1549930553
  • Wertung von Andreas: 3/5

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