Marcos Mateu-Mestre: Framed Ink

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Ich habe mir im Laufe der Jahre immer mal wieder Bücher übers Zeichnen und insbesondere rund ums Erschaffen von Comics zugelegt. So richtig förderlich oder gar begeisternd fand ich aber keines. Oft waren mir die Bücher zu schematisch-theoretisch aufgebaut, mit blutleeren Beispielen, die noch dazu häufig das verstaubte Flair eines VHS-Kurses anno 1987 hatten.

»Framed Ink« ist anders. Ganz anders.

Der Autor Marcos Mateu-Mestre verdient seinen Lebensunterhalt als Grafiker und ist dabei interessanterweise sowohl für Animationsfilme als auch für Graphic Novels im Einsatz. Als er »Framed Ink« schrieb und zeichnete, hatte er schon fast zwanzig Jahre Berufserfahrung.

Das sind zwei Aspekte, die diesem Buch sehr zugutekommen: Zum einen geht es von den Gemeinsamkeiten zwischen Film und Comic aus und blickt aus dieser Perspektive aufs Handwerk des Grafikers, egal ob es ums Zeichnen eines Storyboards geht oder ums Erschaffen einer Graphic Novel. Und zum anderen speist sich das Buch eben erkennbar aus den ganz praktischen Erfahrungen und dem Können eines Profis, der seinen Beruf liebt.

Und weil Mateu-Mestre auch noch die seltene Fähigkeit hat, seine handwerklichen Entscheidungen, sein Vorgehen und die Wirkungsweise der eingesetzten Mittel präzise und nachvollziehbar zu beschreiben, ist am Ende ein ganz besonderes Sachbuch herausgekommen.

Remember, things can be complex, but should not be complicated, the difference being the former refers to the necessary, the latter, to the disposable or unnecessary.

Es geht in »Framed Ink« wohlgemerkt nicht um Zeichentechnik, sondern um die Konzeption und Komposition sequenzieller Kunst. Zuerst in Bezug auf das einzelne Bild und seine Elemente und später in Bezug auf ganze Szenen. Am Ende widmet Mateu-Mestre sich noch einigen konzeptionellen Fragen, die nur für Comics relevant sind, etwa dem Layout einer Seite und ihrer Panels. Es geht also um Dinge, die selbst dann gültig sind, wenn Sie eher Strichmännchen zeichnen.

Mateu-Mestre nutzt aus, dass er alles Essentielle mit eigenen Zeichnungen veranschaulichen kann, am lebenden Objekt sozusagen. Textlich kann er sich folglich darauf beschränken, die Kernpunkte herauszuarbeiten und vom Konkreten aufs Generelle zu abstrahieren. Im Vordergrund steht immer das Bild. Dadurch ist auch das Buch selbst zu einem Kunstwerk geworden, zu einem opulenten Kunstwerk.

Selbst wenn man (wie ich) am Ende doch weiter »wild« zeichnet und sich eher durch Ausprobieren entwickelt, als ganz bewusst die von Mateu-Mestre beschriebenen Mechanismen anzuwenden – ja, selbst dann saugt man eine ganze Menge aus »Framed Ink« auf. Das Buch wirkt, ob man’s merkt oder nicht.

Und vor allem nimmt man es immer wieder aufs Neue gerne zur Hand und blättert darin herum, weil es einfach eine Freude fürs Auge und eine nie versiegende Inspirationsquelle ist!

  • Autor(en): Marcos Mateu-Mestre
  • Zeichner: Marcos Mateu-Mestre
  • Verlag: Design Studio Press
  • Sprache: Englisch
  • Jahr: 2010
  • ISBN: 978-1933492957
  • Wertung von Andreas: 5/5

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