Artikel von Andreas

am

Die Autorin Eva Lezzi schreibt in ihren Büchern um den kleinen Beni und seine Familie vom ganz normalen (und manchmal natürlich auch normal-verrückten) Alltagsleben jüdischer Menschen im modernen Deutschland. In diesem Band aber lässt sie Benis Großmutter zurückblicken auf die schreckliche Vergangenheit. Lezzi schreibt nüchtern und geradlinig und schafft einen Rahmen des lebendigen Hier und Jetzt um das düstere Gestern. Begleitet wird ihre Erzählung von den schönen Illustrationen von Anna Adam, von denen mich besonders die Collagen begeistert haben.

am

Der Grafiker Mateu-Mestre beschreibt in »Framed Ink« Techniken und Mechanismen, die für die Konzeption von Comics wie von Storyboards gleichermaßen die handwerkliche Grundlage bilden. Er tut das nicht in einer trockenen theoretischen Abhandlung, sondern setzt vor allem auf die Veranschaulichung durch selbstgezeichnete Beispiele, die er in knappen Kommentaren erläutert. Entstanden ist damit ein Sachbuch, das lehrreich und inspirierend zugleich ist – und selbst ein opulentes Kunstwerk.

am

Dass wir vom globalen Dorf sprechen, zu dem die Welt geworden sei, ist heute bereits eine eher belanglose Platitüde. Allzu real erfahren wir diese Verkleinerung der Welt ja in unserem Leben: sei es beim Austausch mit Menschen in aller Welt übers Internet, sei es beim Urlaub in Vietnam oder Neuseeland, sei es bei Diskussionen um Niedriglöhne und Strafzölle, sei es bei den Auswirkungen von Kriegen und Krisen. – Schnell vergessen wir dabei, dass auch heute noch geografische Bedingungen eine entscheidende Rolle im Großen wie im Kleinen, im Guten wie im Bösen spielen. Trotz aller Technik. Tim Marshall betrachtet in seinem lesenswerten Buch zehn Regionen der Welt unter dem Gesichtspunkt ihrer Geografie.

am

Szczepan Twardoch erzählt eine Geschichte aus der Unterwelt Warschaus. »Der Boxer« hat vielversprechende Aspekte. Etwa, dass er im Warschau des Jahres 1937 angesiedelt ist und damit die hierzulande wenig präsente Zeit der Zweiten Polnischen Republik beleuchtet. Und dass dieser Roman einen jüdischen Helden hat, wie er uns in unserer Literatur nicht oft begegnet: physisch stark und dominant, der Albtraum aller Antisemiten. – Gute Zutaten, aus denen nach meinem Dafürhalten aber leider kein wirklich packender Roman entstanden ist.

am

Viele, viele Bücher aus der DDR wurden nach der Wende nicht mehr neu aufgelegt. Bei so manchem Werk ist das überhaupt nicht schade. Kinderbücher wie »Das Zaubertelefon« aber würde ich gerne auch heute noch in den Läden und bei Amazon sehen. Es enthält sechs knackig kurze und herrlich versponnene Geschichten, die ich auch als Erwachsener noch mag. Und die ebenso zeitlos frisch sind wie die wunderbaren Illustrationen von Manfred Bofinger.