Artikel von Andreas

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Erfreulich kurz und bescheiden erzählt der Musiker und Kraftsportler Roger Baptist seine Lebensgeschichte. Vom eifrig herumklimpernden Spross einer Musikerfamilie, über den jugendlichen Punk in der DDR und eine odysseehafte Suche nach der eigenen Bestimmung in den Jahren nach der Wende bis hin zur Kunstfigur des »Rummelsnuff«. Ein freundliches kleines Buch über einen erstaunlich vielschichtigen Menschen und einen Lebensweg, wie er heute nicht mehr vorkommt.

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Biografie, Musik, Sachbücher

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Gute Romane beschreiben das Komische nicht ohne das Ernste (und umgekehrt), sondern verweben beides miteinander. »The Lubetkin Legacy« ist ein solcher Roman: über den glücklosen Schauspieler Berthold (sich zwanghaft am großen George Clooney messend), seine junge Nachbarin Violet (auf der Suche nach einer Arbeit mit Sinn und Anstand) und die Hausgemeinschaft des »Madeley Court«. – Kritikwürdig nur, dass das Buch nicht zum richtigen Zeitpunkt endet, sondern weitere 80, 100 Seiten weiterläuft und zerfasert. Ein eher schwaches und gar nicht nötiges letztes Viertel. Alles davor ist aber so umwerfend, dass Sie das Buch ruhig als Lektüre für Ihre nächste Reise einpacken sollten.

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Wer die Dampfmaschine erfunden hat, werden einige von uns sicherlich noch parat haben. Zumindest wissen wir, dass es sich um eine Erfindung handelt, die sich ziemlich genau zuordnen lässt. Wir können die Geschichte ihrer Erfindung nachschlagen. – Wie aber ist es mit dem aufrechten Gang oder der Musik? Lässt sich sagen, dass irgendwann vor soundsovielen Jahren ein Mensch des Stammes XY die erste kleine Melodie der Weltgeschichte gesummt hat? Wie ist es mit dem Sprechen? Den Konzepten von Recht, Staat, Religion, Monogamie? Diesen Fragen geht Jürgen Kaube in seinem abwechslungsreichen und anregenden Buch nach.

Schlagwörter:

Geschichte, Sachbücher

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Wenn ich nicht so recht weiß, was ich zu einem Buch sagen soll, dann handelt es sich es oft um ein Buch, das mich kaltgelassen hat. Das mich weder gut unterhalten, noch erzürnt, noch sonstwie berührt hat. Manchmal aber tue ich mich gerade deshalb schwer mit einer Stellungnahme, weil mich das Buch ganz besonders tief beeindruckt hat. Genau das ist bei Sana Krasikovs Romandebüt der Fall. Ihre Erzählung der Geschichte von Florence Fein, die 1934 aus Brooklyn in die Sowjetunion zieht, und ihrer Familie gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren überhaupt gelesen habe.

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Letztens besprach Kollege Kai das Buch »Empire of the Summer Moon«, das erste hier bei Svipp mit Indianerbezug. Mich erinnerte das daran, dass ich mir längst schon die Biografie von Erik Lorenz über Liselotte Welskopf-Henrich hatte kaufen wollen, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der DDR. Alle Jungen und viele Mädchen liebten ihren sechsteiligen Roman »Die Söhne der Großen Bärin« und liehen sich die wegen der Papierknappheit raren Bände untereinander aus. Wer war die Frau, die hinter diesem Werk stand? Lorenz Buch verspricht Antwort. Leider aber bleibt der biografische Teil enttäuschend knapp und formell.

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Biografie, Indianer, Sachbücher