Kategorie Amerika:

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Dass wir vom globalen Dorf sprechen, zu dem die Welt geworden sei, ist heute bereits eine eher belanglose Platitüde. Allzu real erfahren wir diese Verkleinerung der Welt ja in unserem Leben: sei es beim Austausch mit Menschen in aller Welt übers Internet, sei es beim Urlaub in Vietnam oder Neuseeland, sei es bei Diskussionen um Niedriglöhne und Strafzölle, sei es bei den Auswirkungen von Kriegen und Krisen. – Schnell vergessen wir dabei, dass auch heute noch geografische Bedingungen eine entscheidende Rolle im Großen wie im Kleinen, im Guten wie im Bösen spielen. Trotz aller Technik. Tim Marshall betrachtet in seinem lesenswerten Buch zehn Regionen der Welt unter dem Gesichtspunkt ihrer Geografie.

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Denken wir an Spanier in Amerika, so sind wir gedanklich unwillkürlich zuerst in Lateinamerika, also dem Festland südlich des Rio Grande und Teilen der Karibik, vor allem natürlich Kuba. Doch auch in Nordamerika waren die Spanier an vielen Stellen nicht nur die ersten Europäer, sondern haben zwischen Kalifornien und Florida die Geschichte mitgeprägt. Weber erzählt diese Geschichte, die automatisch auch die Geschichte der Ureinwohner dieser Gebiete ist, anschaulich und ohne anachronistische Wertungen. Sehr spezielles Thema, aber wirklich lesenswert!

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Sieben Jahre vor ihrem überwältigenden Roman »The Patriots« hat die Schriftstellerin Sana Krasikov bereits diese Sammlung von Kurzgeschichten veröffentlicht. Erzählt wird von Frauen aus Russland oder der ehemaligen Sowjetunion, die sich im Spannungsfeld zwischen der alten Heimat und einem neuen Leben im Sehnsuchtsland USA bewegen. Es gibt kaum Momente der Leichtigkeit oder gar des Glücks. Die Lebenswirklichkeit der Frauen, von denen Krasikov erzählt, ist von Vernunftentscheidungen, Verzicht, Ungewissheit und Enttäuschung geprägt. Eine gute Kurzgeschichtensammlung mit einigen starken Momenten.

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Nancy Isenberg geht in ihrem Buch ein Thema an, bei dem für sie nicht unbedingt Beifall und Lorbeeren zu erwarten waren. Sie nimmt den Mythos von der klassenlosen US-amerikanischen Gesellschaft aufs Korn, in der es jeder schaffen kann, wenn nur Wille und Einsatz stimmen. Isenberg tut das nicht von einer abstrakten moralischen oder politischen Warte aus, sondern indem sie die Geschichte der untersten Klasse seit Gründung der ersten Kolonien an der Ostküste nachzeichnet. Ihr Buch ist hochaktuell, und es war nicht nur eine Marketingmaßnahme, dass die Auflage von 2017 durch ein Vorwort erweitert wurde, in dem Isenberg ihre Erkenntnisse auf die zurückliegenden Präsidentschaftswahlen in den USA anwendet.

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Guten Sachbüchern und Romanen ist eines gemeinsam: Sie erzählen Geschichten. Bei manchen Sachbüchern fällt dies lediglich stärker ins Auge. Empire of the Summer Moon von S. C. Gwynne verspricht im Untertitel eine ziemlich spannende Geschichte, nämlich die von »Quanah Parker und dem Aufstieg und Fall der Komantschen, dem mächtigsten Indianerstamm der amerikanischen Geschichte«. Das ist nicht wenig und klingt ziemlich spannend.