Kategorie Romane:

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Szczepan Twardoch erzählt eine Geschichte aus der Unterwelt Warschaus. »Der Boxer« hat vielversprechende Aspekte. Etwa, dass er im Warschau des Jahres 1937 angesiedelt ist und damit die hierzulande wenig präsente Zeit der Zweiten Polnischen Republik beleuchtet. Und dass dieser Roman einen jüdischen Helden hat, wie er uns in unserer Literatur nicht oft begegnet: physisch stark und dominant, der Albtraum aller Antisemiten. – Gute Zutaten, aus denen nach meinem Dafürhalten aber leider kein wirklich packender Roman entstanden ist.

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Kathleen Spivack erzählt vor dem Hintergrund von Holocaust und Weltkrieg eine Geschichte vom Überleben, von den Selbstvorwürfen und der Verzweiflung der Entkommenen. Von der Kraft und Ohnmacht der Kunst im Ringen der Mächte. Vom Bösen auch. – Gut lesbar finde ich ihren Roman aber nicht, ganz im Gegenteil. Allzu überspannt und erdrückt von Allegorien und Surrealem ist das alles für meinen Geschmack. Ich fühlte mich wie in einem Traum, in dem ich verloren umherirre und es einfach nicht schaffe, klar zu sehen.

Schlagwörter:

2. Weltkrieg, Exil, Romane

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Barnetts Roman über einen äußerst ungewöhnlichen Astronauten und eine Familie in Nordengland, die mit der stillen Tapferkeit kleiner Leute mit ihren Schwierigkeiten ringt, ist wahrhaft umwerfend! Es ist ein Buch, das ein Loch in die schwere graue Januarwolkendecke reißt und ein Stück blauen Himmels erscheinen lässt, aus dem uns ein heller Sonnenstrahl direkt ins Gemüt fällt. Es ist ein Buch zum Lachen und Weinen und Mitfiebern, das man kaum aus der Hand legen möchte. Es ist voller Witz und Verschrobenheiten, es ist mitreißend erzählt, es ist spannend und es ist sentimental auf eine angenehme, ganz unklebrige Weise. – Es ist ein gutes Buch über die Guten für die Guten.

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Der Autor Martin Schemm bringt ein breites Wissen über das deutsche Hochmittelalter und die nordische Sagenwelt mit. Und er hat eine Idee für eine gute Geschichte – nicht zu verwickelt, nicht zu simpel und eine anregende Verbindung von Historischem mit Fantastischem. Schreiberfahrung hat Schemm auch. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Roman. Eine strahlende literarische Perle war’s dann allerdings zwar nicht gerade: allzu unrund ist oft das Sprachliche, allzu undeutlich sind die Charaktere, und allzu behäbig und linear verläuft die Handlung. Für einige entspannte Lesestunden in der dunklen Jahreszeit ist »Das Geheimnis des goldenen Reifs« trotz dieser Schwächen aber allemal gut!

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Von Svipp-Kollege Dirk habe ich den Begriff Pastiche aufgeschnappt, und bei diesem schlanken Roman lässt er sich bestens anwenden. Bei »The Gentleman« nämlich handelt es sich um einen Pastiche britischer Romane des Viktorianischen Zeitalters, keine Parodie, sondern eine schwungvolle Hommage, die in den gespreizten Wendungen und Klischees der zitierten Epoche schwelgt. Den in manchen Pressestimmen zum Buch erwähnten Steampunk habe ich nicht entdecken können, aber er fehlt auch nicht. Ein Buch wie das Geplauder eines leicht gelangweilten Dandys – stets und mit unverhohlenem Vergnügen über die Grenze hin zum Nervenden springend, am Ende aber doch ein originelles Lesevergnügen.