Kategorie Romane:

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Gute Romane beschreiben das Komische nicht ohne das Ernste (und umgekehrt), sondern verweben beides miteinander. »The Lubetkin Legacy« ist ein solcher Roman: über den glücklosen Schauspieler Berthold (sich zwanghaft am großen George Clooney messend), seine junge Nachbarin Violet (auf der Suche nach einer Arbeit mit Sinn und Anstand) und die Hausgemeinschaft des »Madeley Court«. – Kritikwürdig nur, dass das Buch nicht zum richtigen Zeitpunkt endet, sondern weitere 80, 100 Seiten weiterläuft und zerfasert. Ein eher schwaches und gar nicht nötiges letztes Viertel. Alles davor ist aber so umwerfend, dass Sie das Buch ruhig als Lektüre für Ihre nächste Reise einpacken sollten.

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Wenn ich nicht so recht weiß, was ich zu einem Buch sagen soll, dann handelt es sich es oft um ein Buch, das mich kaltgelassen hat. Das mich weder gut unterhalten, noch erzürnt, noch sonstwie berührt hat. Manchmal aber tue ich mich gerade deshalb schwer mit einer Stellungnahme, weil mich das Buch ganz besonders tief beeindruckt hat. Genau das ist bei Sana Krasikovs Romandebüt der Fall. Ihre Erzählung der Geschichte von Florence Fein, die 1934 aus Brooklyn in die Sowjetunion zieht, und ihrer Familie gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren überhaupt gelesen habe.

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Erzählt wird die Geschichte von Born Bohunke: Firmenherrn, Self-Made Man und eingefleischtem Geizkragen. Zu einer milliardenschweren Ausschreibung im fernen Schanghai macht sich Bohunke eines Tages auf, nicht im teuren Flieger, sondern kostengünstig per Mitfahrzentrale. Im Kleinwagen von Norddeutschland nach China. Die Geschichte ist absurd genug. Doch das Ganze wird von Rüdiger Saß auch noch in einem dermaßen verballhornten Deutsch erzählt, dass es sich manchmal wie ein grotesker Halbtraum anfühlt. – »Goldgräber« ist ein Buch wie ein Innereiengericht. Derb, ohne jede Schönheit, und sehr viele Menschen werden es scheußlich finden oder gar nicht erst probieren. Wer sich ranwagt, kommt in jedem Fall in den Genuss von etwas sehr Ungewöhnlichem.

Schlagwörter:

Humor & Satire, Romane

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Was ich da für eine Neuheit hielt, ist bereits 1978 erschienen, und der Autor James Gordon Farrell ist schon lange tot. »The Singapore Grip« wurde noch einmal aufgelegt, nachdem einem anderen Buch von Farrell 2010 der »Lost Man Booker Prize« verliehen worden war. – Macht nichts, denn auch ältere Bücher sollen bei Svipp ihren Platz finden, solange sie nicht tausendfach besprochene Klassiker sind. Farrells Roman führt uns ins spätkoloniale Singapur. Und kaum, dass wir uns halbwegs vertraut mit der Umgebung wähnen, geht alles in Rauch und Flammen auf. Es ist das Jahr 1942 … – Ein Buch, das mich erst nach einigen Kapiteln gepackt, dann aber nicht mehr losgelassen hat!

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Das Titelbild und der Klappentext haben mich bei diesem Roman mächtig in die Irre geführt. Anscheinend hatten dabei Werbeprofis das Sagen, die von dem Buch keine fünf Zeilen gelesen haben. – Erwartet habe ich eine locker-flockige Erzählung über Rock’n’Roll, Liebe und Künstlermilieu in Paris. Das Buch streift alle diese Dinge zwar tatsächlich, aber im Kern dreht es sich um die gar nicht so locker-flockigen Themen von Exil und Heimatverlust in allen Variationen. Es ist ein verdammt guter Roman – die Werbeprofis haben etwas verpasst!

Schlagwörter:

Coming of age, Exil, Frankreich, Romane