Kategorie Romane:

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Der Autor Martin Schemm bringt ein breites Wissen über das deutsche Hochmittelalter und die nordische Sagenwelt mit. Und er hat eine Idee für eine gute Geschichte – nicht zu verwickelt, nicht zu simpel und eine anregende Verbindung von Historischem mit Fantastischem. Schreiberfahrung hat Schemm auch. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Roman. Eine strahlende literarische Perle war’s dann allerdings zwar nicht gerade: allzu unrund ist oft das Sprachliche, allzu undeutlich sind die Charaktere, und allzu behäbig und linear verläuft die Handlung. Für einige entspannte Lesestunden in der dunklen Jahreszeit ist »Das Geheimnis des goldenen Reifs« trotz dieser Schwächen aber allemal gut!

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Von Svipp-Kollege Dirk habe ich den Begriff Pastiche aufgeschnappt, und bei diesem schlanken Roman lässt er sich bestens anwenden. Bei »The Gentleman« nämlich handelt es sich um einen Pastiche britischer Romane des Viktorianischen Zeitalters, keine Parodie, sondern eine schwungvolle Hommage, die in den gespreizten Wendungen und Klischees der zitierten Epoche schwelgt. Den in manchen Pressestimmen zum Buch erwähnten Steampunk habe ich nicht entdecken können, aber er fehlt auch nicht. Ein Buch wie das Geplauder eines leicht gelangweilten Dandys – stets und mit unverhohlenem Vergnügen über die Grenze hin zum Nervenden springend, am Ende aber doch ein originelles Lesevergnügen.

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Gute Romane beschreiben das Komische nicht ohne das Ernste (und umgekehrt), sondern verweben beides miteinander. »The Lubetkin Legacy« ist ein solcher Roman: über den glücklosen Schauspieler Berthold (sich zwanghaft am großen George Clooney messend), seine junge Nachbarin Violet (auf der Suche nach einer Arbeit mit Sinn und Anstand) und die Hausgemeinschaft des »Madeley Court«. – Kritikwürdig nur, dass das Buch nicht zum richtigen Zeitpunkt endet, sondern weitere 80, 100 Seiten weiterläuft und zerfasert. Ein eher schwaches und gar nicht nötiges letztes Viertel. Alles davor ist aber so umwerfend, dass Sie das Buch ruhig als Lektüre für Ihre nächste Reise einpacken sollten.

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Wenn ich nicht so recht weiß, was ich zu einem Buch sagen soll, dann handelt es sich es oft um ein Buch, das mich kaltgelassen hat. Das mich weder gut unterhalten, noch erzürnt, noch sonstwie berührt hat. Manchmal aber tue ich mich gerade deshalb schwer mit einer Stellungnahme, weil mich das Buch ganz besonders tief beeindruckt hat. Genau das ist bei Sana Krasikovs Romandebüt der Fall. Ihre Erzählung der Geschichte von Florence Fein, die 1934 aus Brooklyn in die Sowjetunion zieht, und ihrer Familie gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren überhaupt gelesen habe.